Das reichliche Wasserangebot
der Edertalsperre und ein ständig steigender Strombedarf, der mit
dem technischen Fortschritt einherging, haben die Kraftwerke der E.ON
Wasserkraft GmbH (ehemals PREUSSEN ELEKTRA)
am Edersee entstehen lassen.
Seit 1914 bis heute sind in
enger Nachbarschaft Kraftwerke entstanden, die sich nach Alter, Bauweise,
Kapazität und Einsatz unterscheiden.
Aber jedes von ihnen, ob Laufwasserkraftwerk,
Speicherkraftwerk oder Pumpspeicherkraftwerk trägt in seiner Weise
sinnvoll zur Sicherung der Stromversorgung bei.
Speicherkraftwerke
Ein
Speicherkraftwerk ist ein Wasserkraftwerk, dessen Kraftwerkszufluss mit
Hilfe eines Speichers je nach Wasserangebot, wasserwirtschaftlichen Gesichtspunkten
und dem aktuellen Strombedarf beeinflusst werden kann.
Das Kraftwerk Hemfurth ist ein solches Speicherkraftwerk,
welches direkt aus der Edertalsperre gespeist wird. Es verfügt über
zwei Maschinensätze, die, je nach Pegelstand des Edersees, bis zu
20 MW(13600 PS) Strom erzeugen können.
Speicherkraftwerk Hemfurth
Technische Daten:
| Anzahl der Maschinensätze | 2 |
| Leistung | 12500 kVA |
| Spannung | 10500 V |
| Strom | 687 A |
| Frequenz | 50 Hz |
| Drehzahl | 250 min-1 |
| max. Turbinendurchfluss | 28 m³/s pro Maschine |
Laufwasserkraftwerke
Ein
Laufwasserkraftwerk, wie z.B. das kürzlich erneuerte Kraftwerk Affoldern,
nutzt das natürliche Gefälle und die Wassermenge der Flüsse,
um elektrische Energie zu erzeugen.
In der Regel werden dafür die Flüsse
durch Wehre gestaut. Das nutzbare Wassergefälle erzeugt Strom für
den Grundlastbereich. Je nach Abflussmenge können die beiden Maschinensätze
des Kraftwerks Affoldern bis zu 3 MW (4080 PS) Strom erzeugen.
Laufwasserkraftwerk Affoldern
Technische Daten:
| Anzahl der Maschinensätze | 2 |
| Leistung | 2000 kVA |
| Spannung | 10500 V |
| Strom | 110 A |
| Fequenz | 50 Hz |
| Drehzahl | 750 min-1 |
| max. Turbinendurchfluss | 23 m³/s pro Maschine |
Pumpspeicherkraftwerke
Zweimal am Tag erreicht die Stromverbrauchskurve
normalerweise ihren Höhepunkt:
Am Vormittag, wenn gekocht wird und am Abend,
wenn die Lichter angehen.
Zu diesem Zeitpunkt müssen die Energieversorger
sozusagen auf Knopfdruck eine, im Vergleich zum durchschnittlichen, täglichen
Stromverbrauch sehr viel größere Menge an Strom liefern.
Das geht, weil sich Strom über den
Umweg der Wasserkraft speichern lässt, mit Hilfe von Pumpspeicherwerken.
Diese halten Energie in Reserve.
Sie nutzen das Wassergefälle aus natürlichen
oder künstlich angelegten Seen oder Oberbecken.
Über Rohrleitungen schießt das
Wasser auf die tiefer gelegene, den Generator antreibende Turbine um sich
anschließend in einem Unterbecken zu sammeln.
Von dort aus wird es in verbrauchsschwachen
Zeiten (z.B. nachts) wieder in das Oberbecken zurückgepumpt, wo es
dann wieder für Zeiten des Spitzenbedarfs zur Verfügung steht.
Solche Pumpspeicherkraftwerke sind die beiden
Werke Waldeck I und II.
Waldeck I – Strom für den Spitzenbedarf
Die
Nachfrage nach Energie war bereits in den zwanziger Jahren vorhanden.
Berechnungen der PREUSSEN ELEKTRA aus dem
Jahr 1928 ergaben, dass bei weiter steigendem Strombedarf in den Folgejahren
zu den sogenannten „Starklastzeiten“ Kraftwerkskapazität fehlen würde.
Aus diesem Grund wurde von 1929 bis 1933 das Pumpspeicherkraftwerk Waldeck
I gebaut. Mit diesem Werk wurde es möglich, größere Mengen
Energie für den Spitzenbedarf bereitzustellen.
Dafür wurde in einer Talmulde zwischen
Peterskopf und Ermerod ein Oberbecken gebaut, dessen Höhenunterschied
zum Unterbecken etwa 300 Meter beträgt.
Waldeck I war zu seiner Zeit eine bautechnische
Sensation. Erstmals wurde zum Bau des
Staubeckens, dessen Wände bis zu 23 Meter hoch wuchsen, Gussbeton
verwendet.
Eine Druckrohrleitung, die von 1978 bis
1980 vollständig erneuert wurde, stellt die Verbindung vom Oberbecken
zu den Turbinen und Pumpen im Maschinenhaus her.
Auf einer Länge von 960 Metern wurden
zwei Rohrstränge verlegt, deren Durchmesser zwischen 2,20m und 2,50m
liegen.
An neun Festpunkten sind diese Rohre mit
dem Untergrund verankert. Der letzte Festpunkt vor dem Kraftwerk ist einer
Gesamtbelastung von 4500 Tonnen ausgesetzt.
Vier Maschinensätze, deren Turbinen
zusammen 60 Kubikmeter (60000 Liter) Wasser pro Sekunde „verarbeiten“,
leisten insgesamt 140 MW (190400 PS).
Die Pumpen fördern das Wasser nach
getaner Arbeit wieder zurück auf den Berg in das Oberbecken.
Weitere technische Daten
von Waldeck I:
| Abgabeleistung: | 140 MW |
| Aufnahmeleistung: | 96 MW |
| Inhalt Oberbecken: | 736 000 m³ |
| Gefälle: | 296 m |
| Anzahl der Maschinensätze: | 4 |
| max. Turbinenleistung: | 35 MW |
| max. Pumpenleistung: | 24 MW |
| Nenndrehzahl: | 500 U/min |
Das Unterbecken von Waldeck I ist gleichzeitig das Ausgleichsbecken der Edertalsperre und das Unterbecken für ein weiteres Pumpspeicherwerk:
Waldeck II, das Kraftwerk in der Höhle
Waldeck
II ist, wie Waldeck I auch, ein Pumpspeicherwerk, nur etwa 40 Jahre jünger.
Sein Oberbecken liegt auf dem Rücken
des Ermerod und fasst 4,6 Millionen m³(4,6 Milliarden Liter) Wasser.
Das ist genug um 2200 öffentliche Schwimmbäder zu füllen.
Die Höhendifferenz zum Unterbecken
beträgt 329 Meter.
In Spitzenlastzeiten genügt ein Knopfdruck
und in ca. 60 Sekunden liefert Waldeck II die gewünschte Energie.
Das im Oberbecken gespeicherte Wasser stürzt
mit einer Geschwindigkeit von etwa 6 Metern pro Sekunde durch eine unterirdische
Druckleitung mit einem 5,75 m dicken Rohr in die Turbinen des tief im Berg
gelegenen Kraftwerks.
Die
Generatoren der zwei Maschinensätze erbringen eine elektrische Leistung
von 440 MW . Das sind fast 600 000 PS.
Das abfließende Wasser strömt
durch einen Unterwasserstollen in das Unterbecken.
Von dort wird es wieder –meist bei Nacht-
in das Oberbecken zurückgepumpt.
Der Kreislauf ist nun geschlossen und auf
Knopfdruck kann wieder Strom erzeugt werden.
Ungewöhnlich an Waldeck II ist das
Maschinenhaus. Es liegt im Berg in der sogenannten Kaverne. Dabei handelt
es sich um eine der größten von Menschenhand geschaffenen Höhlen,
zu der man über einen 800 Meter langen Zufahrtsstollen gelangt.
Rund 130000m³ Felsgestein mussten für
sie von erfahrenen Mineuren aus dem Berg herausgebrochen werden. Zur zuverlässigen
Sicherung dieser künstlichen Höhle wurden 1200 vorgespannte Felsanker
eingezogen. Auf diese Weise wird der Hohlraum von einem natürlichen
Gewölbe umschlossen. Für die Ausbauten wurden 25000m³ Beton
und 300 t Stahl gebraucht.
Die Kaverne ist über 100m lang, mehr
als 50m hoch und fast 34m breit.
Mit diesem Ausmaß könnte sie
fast 100 Einfamilien-Bungalows Platz bieten.
Die beiden Maschinensätze, bestehend
aus Turbine, Generator und Pumpe, sind hier vertikal angeordnet und besitzen
ein Gesamtgewicht von je 1 750 000 kg oder 1750 t.
Ein umfangreiches unterirdisches Rohrleitungssystem
verbindet die einzelnen hydraulischen Maschinen miteinander und mit dem
Ober- und dem Unterbecken.
Von den Transformatoren wird der Strom mit
einer Spannung von 380 000 Volt in speziell isolierten Kabeln über
eine Länge von 960m unterirdisch zu der Außerhalb des Berges
stehenden Schaltanlage geleitet, über die der Strom dann an das Verbundnetz
abgegeben wird.
Weitere technische Daten
von Waldeck II:
| Abgabeleistung: | 440 MW |
| Aufnahmeleistung: | 480 MW |
| Inhalt Oberbecken: | 4622000 m³ |
| Gefälle: | 329 m |
| Anzahl der Maschinensätze: | 2 |
| max. Turbinenleistung: | 240 MW |
| max. Pumpenleistung: | 245 MW |
| Nenndrehzahl: | 375 U/min |
Der Mensch und die Landschaft
Heute werden die Begriffe Erholungslandschaft
und Umweltschutz immer wichtiger.
Dass sie keine Leerformel zu sein brauchen,
zeigt das Gebiet um den Edersee.
Denn hier hat der Mensch in starkem Maße
in die Landschaft eingegriffen und sie dennoch nicht zerstört. Im
Gegenteil: Der Edertalsperre verdankt die Region ihren Reiz und ihre Anziehungskraft.
Das gewaltige Maschinenhaus von Waldeck
II wurde in den Berg verbannt und damit „unsichtbar“.
Die kahlen Flächen am Ringdamm des
Oberbeckens von Waldeck II wurden mit Rasen, Büschen und Bäumen
bepflanzt.
In der Edertalsperre findet der Sportfischer
einen gepflegten Bestand an Edelfischen wie Hecht,
Zander und Forelle.
Die Größe der Wasserfläche
erlaubt Wassersport in nahezu allen Variationen.
Ein Teil des Unterbeckens ist zum Vogelschutzgebiet
geworden.
Fischbrut wurde ausgesetzt. Fremde Tierarten
wie Mufflon oder Waschbär sind in der Umgebung der Edertalsperre heimisch
geworden.
Vom Bundesminister für Raumordnung,
Bauwesen und Städtebau wurde der PreussenElektra 1975 für die
beiden Pumpspeicherwerke Waldeck I und II eine Silberplakette verliehen
„ in Würdigung der beispielhaften
Leistungen um den Ausgleich von Technik und Natur“.
(Quellen: Prospektmaterial der PREUSSEN
ELEKRTA KRAFTWERKE)